Pädophilie

Pädophilie ist eine international anerkannte psychische Störung der Sexualpräferenz mit dem Fokus auf kindliche Körperschemata. Hierbei weicht die Sexualpräferenz der Betroffenen von der im gesellschaftlichen Kontext als „normal“ geltenden ab. Sie kann in unterschiedlichen Varianten auftreten.

Um eine pädophile Sexualstörung festzustellen bedarf es einer umfangreichen Diagnostik. Diese erfolgt nach dem internationalen Klassifikationssystem (ICD-10).

Pädophilie wird nach ICD-10 F 65.4 (Dilling/Freyberger 2019) folgendermaßen definiert:

Sexuelle Präferenz für Kinder, Jungen oder Mädchen oder Kinder beiderlei Geschlechts, die sich meist in der Vorpubertät oder in einem frühen Stadium der Pubertät befinden.

A. Die allgemeinen Kriterien für eine Störung der Sexualpräferenz (F.65) müssen erfüllt sein:

 F65 GI: Wiederholt auftretende intensive sexuelle Impulse (dranghaftes Verlangen) und Phantasien, die sich auf ungewöhnliche Gegenstände oder Aktivitäten beziehen. (Im Falle von Pädophilie auf Kinder, Jungen oder Mädchen oder Kinder beiderlei Geschlechts.)

F65 GII: (Der Betroffene) handelt entsprechend den Impulsen oder fühlt sich durch sie beeinträchtigt.

F65 GIII: Die Präferenz besteht seit mindestens 6 Monaten.

B. Anhaltende oder dominierende Präferenz für sexuelle Handlungen mit einem oder mehreren Kindern vor deren Pubertät.

C. Die Betroffenen sind mindestens 16 Jahre alt und mindestens 5 Jahre älter als das oder die Kinder.

 

Wie entsteht Pädophilie?

Für die Entstehung von pädophilen Neigungen werden biologische wie neurologische, neuroendokrine und genetische Faktoren  oder psychologische Faktoren, wie Lernprozesse oder zum Beispiel eigene Missbrauchserfahrungen als Auslöser diskutiert. Wahrscheinlich entwickelt sich Pädophilie bei unterschiedlichen Betroffenen nicht auf identische Art und Weise.

 

Psychologische Auswirkungen auf die Betroffenen

Pädophilie tritt oftmals in Kombination mit anderen psychischen Störungsbildern auf, vor allem mit Depressionen und Angsterkrankungen. Insgesamt kann davon ausgegangen werden, dass Menschen, die die Kriterien einer Pädophilie erfüllen, auch häufig einen hohen Leidensdruck erleben. Der Leidensdruck wird deutlich verstärkt, wenn aus pädophilen Erkrankungen Straftaten entstehen und strafrechtliche Konsequenzen drohen oder befürchtet werden.

 

Ist Therapie sinnvoll?

Ob Pädophilie vollständig heilbar ist, ist umstritten. Allerdings kann Therapie an vielen Stellen Unterstützung und Linderung des Leidensdrucks bieten sowie die Selbstkontrolle des Verhaltens stärken. Oft ist es schon hilfreich, offen mit jemandem über die Neigungen, damit verbundene Phantasien und Lebenserfahrungen sprechen zu können.

Allgemeine therapeutische Ziele bei der Behandlung von sexueller Präferenzstörung sind es, Möglichkeiten zur Selbstregulation zur Verfügung zu stellen, subjektives Leid zu mindern, Selbstmanagement zu erlernen und Straftaten vorzubeugen.

Therapeutische Vorgehensweise

Wie bei der Behandlung anderer psychischer Störungen gilt es auch hier den Betroffenen an das therapeutische Setting heranzuführen und eine tragfähige therapeutische Beziehung aufzubauen. Gerade in der Arbeit mit Menschen, die von Pädophilie betroffen sind, spielt Scham und Angst vor Ausgrenzung eine große Rolle.  Der Abbau von Bedenken und Ängsten gegenüber dem Therapeuten oder dem therapeutischen Setting ist eine wichtige Basis für das weitere Arbeiten.

Grundlage des Therapieangebots

Auf der Grundlage einer tragfähigen und vertrauensvollen therapeutischen Beziehung wird zunächst die Therapiemotivation gestärkt. Grundlage des Therapieangebots ist der aktuelle Stand der Wissenschaft. In der Therapie kann es um lebensgeschichtliche Ereignisse, relevante Erfahrungen, aber auch um dysfunktionale Kognitionen und Grundüberzeugungen, Persönlichkeitsmerkmale oder Verhaltensweisen gehen. Basierend auf diesen Faktoren werden die Therapie individuell konzipiert und die therapeutischen Ziele vereinbart. Im geschützten Rahmen können Betroffene über ihre Phantasien sprechen, eigene Probleme und Leidenszustände bearbeiten und ihre Selbstkontrolle stärken; auf Wunsch auch anonym. An oberster Stelle des therapeutischen Angebots stehen die Schweigepflicht des/r Therapeuten/in und der Datenschutz. Die Daten bleiben geheim, auch die Krankenkassen erhalten keine personenbezogenen Informationen über die einzelnen Betroffenen.

 

 

 

Literatur:

Dilling, H. & Freyberger, H. J. 2019, (Hrsg.): Taschenführer zur ICD-10-Klassifikation psychischer Störungen. 9., aktualisierte Auflage entsprechen ICD-10-GM, Bern Hogrefe, S. 263 und 265 f.

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